Nius – Das „Krawallportal“ und seine massive Finanzierungslücke

Das Onlineportal „Nius“, gegründet von Ex-BILD-Chef Julian Reichelt und finanziert vom Milliardär Frank Gotthardt, steht seit seinem Start 2023 im Fokus der öffentlichen Debatte. Immer wieder wird es als „Krawallportal“ tituliert – sowohl weil seine Inhalte häufig polarisierend, reißerisch und meinungsbetont sind als auch wegen seiner politischen Agenda, die als rechtskonservativ und rechtspopulistisch eingestuft wird.

Wer steht hinter Nius?

Hinter „Nius“ steht organisatorisch die Vius SE & Co. KGaA. Chefredakteur ist Julian Reichelt, als Herausgeber und Hauptfinanzier fungiert Frank Gotthardt – ein Unternehmer, der im Bereich medizinischer Software reich geworden ist. Gotthardt sieht in Nius ein Gegengewicht zur angeblichen „Übermacht der linken Medienlandschaft“ in Deutschland. Seit dem Start investiert er zweistellige Millionenbeträge in das Projekt, ohne die Erwartung, kurzfristig Gewinne zu erzielen.

Finanzierungslücke: Ein reines Zuschussgeschäft

Das Portal ist in hohem Maße von Gotthardts Privatvermögen abhängig. Die Bilanzzahlen sowie geleakte Daten nach einem Hackerangriff (Juli 2025) offenbaren eine deutliche Finanzierungslücke:

  • Die operativen Einnahmen aus Abonnements (rund 350.000€ von Juli 2023 bis Juni 2025) und spärlich geschalteter Werbung reichen nicht annähernd für den kostspieligen Betrieb aus.
  • Im selben Zeitraum gab Vius mehr als 1,4 Millionen Euro für politische Online-Werbung aus, die Gesamtausgaben sind deutlich höher.
  • Bereits im sehr kurzen ersten Geschäftsjahr (2022, noch vor offiziellem Start) betrug der Fehlbetrag 2,6 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten lagen bei 5,2 Millionen Euro.
  • Gotthardt selbst schoss 9,4 Millionen Euro als Kapitalrücklage zu, laut Branchenschätzungen steckte er inzwischen bis zu 50 Millionen Euro in das Portal.

Finanziell ist Nius nach allen bekannten Zahlen ein laufendes Defizitgeschäft: Die jährlichen Verluste, beispielsweise 13,8 Millionen Euro 2023, wurden vollständig durch Gotthardt ausgeglichen. Es handelt sich also um ein klassisches Zuschussmodell – wirtschaftlich unrentabel und nur durch die Großzügigkeit und ideologische Motivation des Geldgebers lebensfähig.

Einnahmequellen: Kaum Abos, wenig Werbung

Eine Übersicht der Abonnementeinnahmen (aus einem Datenleck 2025): 46 Nutzer zahlten 199,99 Euro jährlich, 351 Nutzer 99,99 Euro, 235 Nutzer 100 Euro Jahresbeitrag. Dazu kamen einige monatliche Zahlungen über knapp 10 Euro. Das reicht weder für einen modernen Newsroom noch für Videoproduktion und TV-Ausbau. Werbung wird kaum geschaltet – Unternehmen meiden nach eigenen Angaben das Umfeld polarisierender Inhalte, was die Einnahmeseite zusätzlich schwächt.

Risiken und Zukunft

Die Zukunft des Portals hängt damit nahezu vollständig vom Fortbestand des finanziellen Engagements Gotthardts ab. Branchenkenner bezweifeln, dass der Mäzen endlos bereit ist, jährlich Millionenverluste zu decken. Solche Modelle sind volatil – etwa, wenn sich persönliche Prioritäten oder das Vermögen eines Investors entscheidend ändern.

Fazit

Das Onlinemedium „Nius“ kann sein Angebot ausschließlich durch die hohen privaten Zuschüsse von Frank Gotthardt aufrechterhalten und bleibt aus ökonomischer Sicht ein Zuschussgeschäft mit massiver Finanzierungslücke. Damit zeigt es: Politische Medienprojekte können, wenn sie keine nennenswerten Werbe- oder Aboerlöse erzielen, im deutschen Markt nicht nachhaltig operieren, sondern sind auf Mäzenatentum angewiesen – ein Modell mit absehbaren Grenzen.

… und Reichelt?

Welche Rolle Julian Reichelt in diesem Zusammenhang spielt, werde ich im nächsten Blogbeitrag aufschreiben.